Handoff Audit

Engineering- und Research-Projekt

Was kann man über eine Codebasis wissen, die man nicht selbst gebaut hat?

Handoff Audit untersucht, wie sich technische Evidence aus einer fremden Codebasis in belastbare Aussagen zu Risiko, Maßnahmen und Aufwand übersetzen lässtB1 — und wo die Grenzen dieser Übersetzung liegen.B2

Ein Laptop mit Quellcode und einem Diagramm aus verbundenen Modulen, davor eine Lupe – Sinnbild für die technische Analyse einer fremden Codebasis.

Leitfrage

Wie können wir eine fremde Codebasis so analysieren, dass aus technischen Signalen und nachvollziehbarer Evidence belastbare Informationen für Übernahme, Weiterentwicklung und Refactoring entstehen?


Warum das schwierig ist

Die entscheidende Frage bei einer Softwareübernahme ist nicht „ist dieser Code gut oder schlecht?" — das führt zu einer Qualitätsdebatte statt zu einer Entscheidung. Gefragt ist: Können wir dieses System verantwortbar übernehmen, welche Risiken bestehen, welche Maßnahmen sind erforderlich, mit welchem Aufwand?

  1. Metriken beschreiben Eigenschaften, keine Konsequenzen

    Coverage, Komplexität und Issue-Zahlen sagen etwas über den Code aus, aber nichts darüber, was eine Übernahme kostet. Ein Projekt mit guten Metriken kann eine undokumentierte Abhängigkeit haben, die jede Änderung teuer macht.

  2. Manuelle Reviews skalieren nicht

    Ein erfahrener Engineer liefert gute Antworten — die Begründung bleibt aber oft implizit, und der Aufwand wiederholt sich bei jedem Projekt.

  3. Reine LLM-Reviews sind nicht belastbar

    Ein Modell, das die Codebasis liest und ein Urteil ausgibt, kann seine Aussagen nicht auf überprüfbare Fakten zurückführen. Im Übernahmekontext ist der Code zusätzlich meist vertraulich.

  4. Die Übersetzung fehlt

    Zwischen einem technischen Befund und dem Satz „dieser Befund verursacht Aufwand X und Risiko Y" liegt Arbeit, die heute meist gar nicht oder nur im Kopf einzelner Personen stattfindet.

Eigene Einschätzung, hergeleitet in der Projektbeschreibung — keine Marktstudie.


Was Handoff Audit ist

Ein Werkzeug und die Untersuchung drumherum. Das Werkzeug ist echt und die Qualitätsmaßstäbe sind real; ein Geschäftsmodell gibt es nicht. Die Arbeit verfolgt vier Ziele:

01Technischer Wissensaufbau
Analyse fremder Codebasen, AST- und Symbolanalyse, Architekturregeln, Affected Surface, Refactoring-Planung, Aufwandsschätzung unter Unsicherheit — anhand realer Implementierung statt nur theoretisch.
02Vorbereitung späterer F&E-Arbeit
Was lässt sich zuverlässig deterministisch ableiten? Was braucht Interpretation? Wo entstehen Fehlinterpretationsrisiken? Wo sollte AI bewusst nicht entscheiden?
03Content aus realer Arbeit
Implementierungs- und Architekturentscheidungen, Experimente, Fehlversuche und Grenzen eines Ansatzes — als Nebenprodukt echter technischer Arbeit.
04Fachliche Positionierung
Aufgebaut aus nachweisbarer Arbeit statt aus Behauptungen über die eigene Kompetenz.

Analysemodell

8 Stufen · 3 implementiert

Von der Codebasis zur Aussage. Der Marker zeigt, bis wohin das Modell heute trägt; was darunter steht, ist Konzept.

  1. Repository → Deterministische Analyse → Technische Evidence

    AST- und Symbolanalyse über Spoon, OpenAPI-Parsing mit $ref-Auflösung. Lokal, ohne Netzwerkzugriff.

    implementiert
  2. Finding → Affected Surface → Interpretation → Risiko und Maßnahme

    Bewerteter Befund mit Evidence; eine externe AI erhält ausschließlich ein pseudonymisiertes Exportmodell — nie Quellcode.

    geplant
  3. Unsicherheit

    Wie viel Unsicherheit verträgt eine Aufwandsspanne, bevor sie nutzlos wird? Offen.

    offene Forschungsfrage

Alle 8 Stufen einzeln, mit Stand und Belegen: Handoff Audit im Detail


Was dabei entsteht

5 Einträge

Jeder Eintrag mit dem, was er behauptet, was das belegt und wo die Grenze liegt. Nichts davon ist als fertig dargestellt, was bislang nur konzeptionell vorgesehen ist.

01Analyseverfahren

implementiert

Lokale Analyse von Java-/Spring-Repositories und OpenAPI-Spezifikationen, ohne Netzwerkzugriff.

Evidence
Spoon- und OpenAPI-Adapter, Repository-Inventar, Endpunkte mit Response-Form.
Grenze
Kein Klassenpfad — Typen aus Abhängigkeiten bleiben unbestimmt.

02Engineering Insights

implementiert

Festgehaltene Erkenntnisse aus abgeschlossenen Umsetzungsschritten, jeweils mit Beleg.

Evidence
ADRs und Completion Notes im Repository.
Grenze
Erkenntnisse über den eigenen Bau, nicht über fremden Code.

03Findings

geplant

Bewertete Befunde mit Evidence, Kategorie und betroffener Fläche.

Evidence
Datenmodell vorhanden: Finding, Evidence, Affected Surface.
Grenze
Noch kein Finding erzeugt; der Kontraktvergleich ist der nächste Schritt.

04Research

offene Forschungsfrage

Technische und methodische Fragestellungen rund um evidence-basiertes Assessment.

Evidence
Fragenkatalog im Projektzweck dokumentiert.
Grenze
Keine Antworten — der Research-Bereich ist bislang leer.

05Fachartikel

Entwurf

Fachbeiträge aus realer Arbeit, nicht aus Themenplanung.

Evidence
Zielsetzung, Belegsammlung und Text des ersten Beitrags liegen vor.
Grenze
Unveröffentlicht — Entwürfe erscheinen nicht auf dieser Website.

Insights

Beiträge entstehen aus Entwicklung und Experimenten. Was sich nicht belegen lässt, wird nicht geschrieben — veröffentlicht ist bislang keiner.

  1. AI sollte Evidence interpretieren — nicht Evidence erfinden

    Evidence vorhanden Package-Grenzen, Architekturregeln und das Egress-Modell belegen die Trennung strukturell.

    geplant
  2. Wie bewertet man eine Codebasis, die man nicht selbst entwickelt hat?

    Evidence teilweise Problem und Abgrenzung dokumentiert, keine Validierung an einem Realprojekt.

    geplant

Alle geplanten Themen mit ihrer Belegsituation: Insights